Der Vogel in uns
Und der Vogel schwang sich in die Lüfte. Seine Flügel trugen ihn weit hinaus. Über Länder, über Menschen, Tiere und alle Kreaturen, über Meere ..... der Menschheit eine Botschaft zu bringen. Die Botschaft, dass sie frei sein könnte .....
Doch die Menschen fingen diesen Vogel. Sie verstanden seine Botschaft nicht. Nur einer, ein einfacher Alter, hatte ihm zugehört. Er war mit diesem Vogel geflogen. Zu sehen, wo dieses Universum zuende ist. Und er hatte gesehen - diese Erde ist endlich, dieses Universum ist endlich. Und er hatte erfahren, er selbst ist nicht endlich .....
Der Vogel war nicht wirklich gefangen. Kein Käfig konnte ihn halten. Und wie so mancher Vogel ..... erinnert er nicht an diesen Vogel? Vielleicht spricht eine große freie Seele durch ihn ..... zu sagen, was zu sagen ist, zu zeigen, was zu zeigen ist.
So war denn Vogel gar kein Vogel, und Mensch war auch nicht Mensch. So war Vogel dennoch Vogel. Und Mensch war dennoch Mensch ..... Der Kreislauf ist durchbrochen ..... Vogel muss nicht wiederkehren, auch Mensch nicht und nicht Traum. Der Alte, der dem Vogel folgte, er weiß ..... ist nicht mehr Vogel, ist nicht mehr Alter. Nur manchmal flüstert er herüber. Ganz sacht, nicht laut.
So kann denn jeder wahrnehmen, was er wahrnehmen will. Wir nehmen nur das wahr, was wir wahrnehmen wollen.
Des Vogels Ruf, er klingt in uns allen. Und wer ihn hört, der hat ihn hören wollen.
Ingrid von der Behrens
1988
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